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Donnerstag, 9. März 2017

[Gedanken] Berufliche Motivation

Immer mal wieder habe ich mir Gedanken gemacht, woher ich meine berufliche Motivation nehme und wieso ich auf der Arbeit gefühlt "mehr geschafft" bekomme, als zu Hause ...

Durch die Lage meines Wohnortes muss ich mind. 25 km fahren, bis ich eine Stelle für mich als Sozialpädagogin finde. Es gibt auch in der Nähe (vll 15 km) etwas, doch ich möchte in einem bestimmten Bereich tätig sein.

Nach einigen Arbeitsstellen in sozialen Bereichen bin ich nun "angekommen". Seit Mitte 2013 arbeite ich mit/für arbeitssuchende Menschen. Seit Mitte 2014 fahre ich täglich 130 km, um auf die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. - Oft werde ich gefragt, warum ich mir das antue ... weil es quasi mein Traumjob ist, den ich gefunden habe.

Nette Kollegen und einen direkten Vorgesetzten, der einen utnerstütz, positiv motiviert und Handlungsweisen sehr gut einschätzen und abwegen kann.

Das überträgt sich auf das gesamte Team und wir arbeiten so auch mit unseren Teilnehmenden. Heute habe ich hier auch einen Teil der Kurse ausgewertet (Rückmeldebögen). Größtenteils sind sie wohl nicht aussagekräftig, da oft keine Anmerkungen auf den Bögen, doch alle Kolleginnen werden mit sehr gut bewertet.

Auch hier kommt die Motivation. Natürlich muss man mit dem Gehalt, das man erhält auch seinen Lebensunterhalt finanzieren können, was bei mir ja auch der Fall ist.

Motivation kommt auf jeden Fall zum großen Teil von der Anerkennung die wir für unsere (die ich für meine) Arbeit erhalten, zudem durch das positive Miteinander unter uns Kolleginnen herrscht eine gute Bindung.

Deshalb wünsche ich allen, natürlich auch den Teilnehmer(innen) diese Möglichkeit. So kann man auch ab und an Arbeitsdinge übernehmen, die man nicht unbedingt gerne macht, jedoch halten sich diese sehr in Grenzen :-)

Montag, 11. April 2016

[Gedanken] Die Sache mit der Zeit



Ich bin jemand, der gerne für viele Dinge auch viel Zeit hätte. Jedoch schaffe ich oft meist weniger als ich mir für eine Woche vorgenommen habe.
Aber woran liegt dies?

Mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich sehr viel Zeit darin investiere mir zu überlegen, wie ich überhaupt vorgehe und was ich denn so machen will. Sei es in einer Woche oder auch an einem Tag.
Auf der Arbeit bekomme ich das relativ gut hin. Hier mache ich mir auch recht viel Druck. Meine Arbeit ist schließlich, Menschen zu helfen wieder in Arbeit zu kommen und wenn ich rumtrödle, bringt ihnen der Kurs nichts, sie meckern rum und ich hab dann noch viel mehr Arbeit. Ich stelle auch fest, dass ich in meinem Job mit vielem sehr viel schneller fertig bin, als ich es geplant habe. Doch in meinem privaten Leben ist dies weniger der Fall. Aber warum?

Zum einen lebe ich die meiste Zeit allein. Wenn der Mann am Wochenende kommt dann schaue ich, dass es recht ordentlich aussieht, ja manchmal wische und sauge ich durch, doch diese Arbeit ist für mich sehr lästig und daher wird sie auch recht häufig immer weggeschoben und dann vergessen.
Momentan mache ich Stück für Stück Frühjahrsputz. Hierzu gehört auch, Vorhänge abzuhängen und zu Waschen. Sie haben es nötig. Aber ich mache es langsam. Könnte auch schneller gehen. Ich lass es dann einfach.

Bei der Hausarbeit habe ich mir das Bügeln übrigens zu 90% abgewöhnt. Ich bügel ja schließlich genug beim Nähen. Das muss reichen.
Aber wenn ich zu Hause bin will ich so viel machen: Lesen (immer noch nicht fertig mit dem Buch eines Freundes, obwohl es total spannend ist), Gitarre spielen und dazu singen, Sport (auch wenn es nur an der Wii ist, mein Rücken freut sich trotzdem), Nähen und seit neuestem auch Buchstaben malen.

Am Ende eines Abends saß ich meist nur auf der Couch und hab mir im Höchstfall etwas zu Essen gemacht (und meist dann auch gespült). Evtl.
kümmere ich mich um die Waschmaschine, dass sie etwas zu tun hat. Aber ansonsten wird schwierig.

Liegt es daran, dass ich mich auf der Arbeit auspowere und eben dort mein Bestes geben will ... oder bin ich, wie meine Familie denkt, einfach nur faul? Ich vermute dass es etwas dazwischen gibt.

Ihr werdet Euch bestimmt  die ganze Zeit gefragt haben, weshalb ich darüber schreibe? Eben weil ich meine Gewohnheiten seit Anfang des Jahres versuche zu ändern. Teilweise hat es schon funktioniert, aber ich falle oft wieder zurück in alte Verhaltensmuster.

Ich werde weiter berichten, ob sich mein innerer Schweinehund bändigen lässt, denn das Wochenende möchte ich wenig mit der Hausarbeit verschwenden, denn meine Wochenendbeziehung ist mir kostbar. Ihr kennt das bestimmt, wenn man sich nicht oft sieht, will man auch so viel schöne Zeit wie möglich verbringen.

Mein Ziel für diese Woche ist ein schönes Kleid anzufangen (bis Ende April fertig zu haben), und ein Zimmer beim Frühjahrsgründlichputz fertig zu bekommen, ob der innere Schweinehund will oder nicht :-)

Freitag, 6. November 2015

[Gedanken] Was man beim Nähen für den Job lernen kann…

Wir Näh-Nerds oder Menschen, die in ihrer Freizeit gerne nähen, bekommen sie irgendwann alle. Spätestens, durch die tolle Nähsendung „Geschickt Eingefädelt, wer näht am besten“.

Beruflich habe ich es mit (hauptsächlich) Frauen zu tun, die schon längere Zeit (oder auch kurzzeitig) aus dem Beruf draußen sind und wieder einsteigen wollen. Somit ist mir der Gedanke gekommen, was man vom (Hobby)Nähen auch in den Job übertragen kann.


Genauigkeit

Wenn man sich daran versucht, ein passendes Schnittmuster z. B. für ein Kleid, aus einem Schnittbogen herauszukopieren (Burda oder ottobre mit mehreren Schnitten auf einem Bogen sind hier ein gutes Beispiel), muss genau sein. Auch die Konzentration spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wenn man nicht genau alle Passzeichen abzeichnet, oder aus Versehen in eine falsche Größe kommt, sieht das Endprodukt meist eher nach einem Sack, statt nach einem Kleid aus (oder ist zu klein).
Je nach Job, nehmen wir mal einen im Büro, muss man auch genau sein. Als ich im Sekretariat Vertretung gemacht habe, bin ich schon schier verzweifelt, warum in der Kasse jetzt 20 Euro zu viel waren. Dieses rumrechnen, bis man den Fehler gefunden hat, meine Herren!

Zielstrebigkeit

Ja. Wenn man ein fertiges Kleidungsstück haben will, muss man dran bleiben (*hüstel*). Durch meine langen Tage die ich auf Arbeit und mit der Fahrt hab, kann es schon passieren, dass ich morgens um halb sieben aus dem Haus komme und abends um halb sechs dann wieder zu Hause bin. Da kann ein Kleid auch schon mal drei Monate vom Zuschnitt bis zum Endprodukt haben ….
Wenn man natürlich dringend etwas Neues braucht, dann ist die Zielstrebigkeit, die man auch für erhaltene Aufgaben im Job haben sollte, sehr wichtig. Termindruck hat so manches Kleidungsstück dann schnell fertig
werden lassen.

Motivation

Das kennt jeder. Niemand geht gern zu einer Arbeitsstelle, wenn er dort nicht in irgendeiner Weise motiviert ist. Natürlich gibt es Dinge, die man auf der Arbeit nicht gerne macht, jedoch sollten die positiven Überwiegen.
Wenn wir nähen, sind wir motiviert. „Ja, ich will ein neues Kleid haben!“ … Natürlich we nn dann die Nähmaschine zickt, der Unterfaden ständig reist ... oder kurz vor Ende der Naht leer ist, hat man an dem Tag keine Lust mehr.
Als Hobbynäherin hat man ja das Glück, aufhören zu können und am nächsten Tag weiter zu machen.

Feinmotorik

Vor allem beim Handnähen wird die Feinmotorik geschult. Bei Baumwolle habe ich es mir seit kurzem angewöhnt, sehr vieles zu reihen, denn sonst geht es bei mir nicht gut. Die Feinmotorik sollte dabei helfen, sich nicht in den eigenen Finger zu stechen. Kann Schmerzen verursachen.
Je nach Job, benötigt man Feinmotorik. Kommt natürlich auf die Branche an.

Kreativität

Was hat Nähen mit Kreativität zu tun? Ganz einfach. Ich habe eine gute Freundin, die mit Nähen gar nichts am Hut hat. Sie ist immer wieder verblüfft, wie ich aus Schnittmustern und Stoffen etwas herstelle, dass dann
ganz anders aussieht, wie die Vorschläge in der Modezeitschrift oder im dazugehörigen Buch.
In der ersten Folge des deutschen Sewing Bee war neben „sexy“ das meist genannte Wort „Kreativ“.
Nähen ist kreativ. So konnte man bei der ersten Aufgabe, das Nähen eines Bleistiftrockes, sehen, dass trotz gleichen Schnittmusters und gleicher Aufgabenstellung acht komplett unterschiedliche Röcke herausgekommen sind.
Natürlich gab es von der Qualität her große Unterschiede, doch so ist es in der Arbeitswelt auch.
Ist es uns nicht auch schon so gegangen, dass wir eine einfache Aufgabe erhalten haben, gedacht haben „ach komm, das mach ich mit links und mach noch x,y und z dazu“ und dann kamen wir in Zeitnot? Ja, das konnte man in der ersten Ausgabe sehen. Besonders bei dem pinken Rock mit orange. Wobei ich die Kombination mit pink-orange total toll fand…

Oder die Umsetzung: Zwei Herrenhemden, macht daraus ein Party-Oberteil. Wie unterschiedlich hier herangegangen wurde. Meike hat es schön in ihrem Blog beschrieben, dass sie dieses „Party“ komplett überhört hatte. Auch das kann auf der Arbeit mal passieren, dass man Teile der Anweisungen nicht versteht
oder erhält und dann kommt etwas aus dem Hut, was der Vorgesetzte so gar nicht gemeint hat und man muss sich (was in der Arbeitswelt geht) wieder an den Tisch setzten und neue Ideen entwerfen.

Anerkennung


Danach strebt der Mensch. Es ist quasi das höchste Gut.
Bei der AnNäherung_Süd habe ich mich mit einigen Damen unterhalten, und da es für mich immer spannend ist bezüglich der Berufe (eben Berufsbedingt), sind meiner Erkenntnis nach viele Frauen deshalb zur Freizeit-Näherin geworden, weil a) es in den Geschäften nichts für sie gibt und b) viele einen Beruf haben, in dem sie nichts herstellen. Es fehlt somit etwas, wofür wir Anerkennung erhalten.

Klar ist es für mich schön, wenn Teilnehmerinnen sich mit Pralinen bei mir für meine Arbeit bedanken (auch wenn ich sie dank Nuss-Unverträglichkeit nicht essen kann), jedoch ist es eben nicht nachzuprüfen, ob ich ihnen tatsächlich weiterhelfen konnte. Durch das Nähen habe ich immer einen Prozess, den ich beobachten kann (gut, manchmal auf der Arbeit auch), und am Ende habe ich ein festes Ergebnis. Meist ein Teil zum Anziehen, ab und an mal ein Teil für die Tonne.

Ein festes Ergebnis in der Schule als Lehrer oder wie ich als Sozialpädagogin zu erhalten, ist eher ein schwierigerer Teil. Somit freu ich mich, wenn Kolleginnen ab und an mal fragen „Das hast du aber jetzt nicht selbst gemacht!“. Für einen Freizeit-Nähenden kann man das doch als größtes Lob sehen. Und es tut wahrlich gut.

Scheitern können

Ja. Wir machen auch Fehler, produzieren Teil für die Tonne und machen danach auch weiter, probieren und wieder aus, denn so kann man doch nicht aufhören. Auch im Job klappt nicht alles. Weiter an sich und seinen Fähigkeiten arbeiten. Es ist (Achtung Floskel) noch kein Meister vom Himmel gefallen.



Falls Euch noch weitere Skills einfallen, freue ich mich über einen Kommentar.

Samstag, 22. August 2015

[Gedanken] #heidenau ...

Es werden immer mehr ..
Eine Flut ...
Unmöglich zu stemmen ...


Es kommt mir so vor, wie wenn viele in der Politik die Flüchtlinge nicht verstehen können.
Doch denken wir 26 Jahre zurück. Da sind noch Menschen aus der DDR geflohen? Warum? Weil sie noch nicht mal ihre ehrliche Meinung über die Regierung frei äußern konnten ohne ins Gefängnis zu kommen.

Geht es den Flüchtlingen auch so? Mit Sicherheit und noch schlimmeres. In Syrien und Umgebung herrscht seit vielen Jahren Krieg. Wenn mein Haus plötzlich nicht mehr stehen würde, würde ich da auch einfach alles stehen und liegen lassen und flüchten in eine "bessere Welt"? Mit Sicherheit!

Gestern habe ich auf Facebook einen schönen Text gelesen (von Kirsten Janke)

Die kommen doch nur her, um sich hier aushalten zu lassen! Richtig?
...
Du bist 29 Jahre alt und hast eine Frau, zwei Kinder und einen Job. Du kommst über die Runden. Du kannst dir auch mal was leisten, und lebst in einem kleinen Häuschen in der Stadt.
Plötzlich ändert sich die politische Lage in deinem Land und ein paar Monate später stehen Soldaten vor deinem Haus. Und vor den Häusern der Nachbarn.
Sie sagen, wenn du nicht für sie kämpfst, erschießen sie dich.
Dein Nachbar weigert sich.
Ein Schuss. Das wars.
Du hörst, wie einer der Soldaten zu deiner Frau sagt, dass sie die Beine breit machen soll.
Du schaffst es irgendwie, die Soldaten erstmal loszuwerden und denkst die halbe Nacht lang nach.
Auf einmal hörst du einen Einschlag. Dein Haus hat kein Wohnzimmer mehr.
Ihr rennt raus und seht, dass die ganze Straße zerstört ist.
Kein Stein steht mehr auf dem anderen.
Du bringst deine Familie zurück ins Haus und rennst an die Stelle, an der das Haus deiner Eltern stand.
Es ist nicht mehr da. Deine Eltern auch nicht.
Du siehst dich um und entdeckst einen Arm mit dem Ring deiner Mutter am Finger. Der Rest deiner Eltern ist nichtmal mehr auffindbar.

Aber die Asylanten haben so viel Luxuszeug! Smartphones, Markenklamotten undso! Richtig?
...
Du denkst jetzt nicht mehr nach. Du rast nach Hause und rufst, deine Frau soll die Kinder anziehen. Du schnappst dir eine kleine Tasche, denn mehr könnt ihr auf die Dauer nicht tragen, und packst das Nötigste. Nur je 2 Kleidungsstücke pro Kopf passen in die Tasche.
Was nimmst du mit???
Du wirst deine Heimat vermutlich nie wiedersehen.
Deine Familie nicht, deine Nachbarn nicht, deine Arbeitskollegen ...
Aber wie sollst du in Kontakt bleiben?
...
Hektisch wirfst du also dein Smartphone und das Ladekabel in die Tasche.
Dazu von jedem ein paar Klamotten, etwas Brot und das Lieblingskuscheltier deiner kleinen Tochter.

Die können sich die Flucht doch locker leisten. Dann sind die auch nicht arm!
...
weiter geht der Text auf Facebook (Link oben)

Dann gestern Abend in Heidenau!

Ein Kommentar auf Twitter u.a. war:
Wie viele von euch haben geflüchtete Eltern/Großeltern? Einfach mal zwei Generationen zurück gucken.
Ein Bekannter von mir erzählte über seine Entstehungsgeschichte. Wenn es den ersten und zweiten Weltkrieg nicht gegeben hätte, hätten sich seine Großeltern nie kennengelernt.

Und ja, es kann auch zu Gewalt unter den Flüchtlingen kommen. Unser Innenminister ist ganz entsetzt.
Doch: Wenn in ihrem Herkunfstland diese Menschen sich gegenseitig bekämpfen, ist es dann nicht "normal" (bzw. verständlich) dass sie wegen diesen Erinnerungen nicht unter einem Dach in einem Heim untergebracht werden können/sollten?

Ich schäme mich:
- weil Europa sich lieber abschottet statt zu helfen
- weil der Libanon mehr Menschen aufnimmt als er selbst an Einwohner hat
- weil wir Menschen in unserem Land haben, die einfach nur doof sind und nicht weiter wie ihre Nasenspitze denken können!
- weil viele Christen das "christlich sein" vergessen haben ... Helfen, "Liebe deinen nächsten wie dich selbst!" (Doch wenn man sich selbst nicht mag, ist dies wohl auch gegenüber anderen schwierig ....

Mittwoch, 1. April 2015

[Gedanken] Warum bin ich Sozialpädagogin geworden?

Mein Schlüsselerlebnis hatte ich vermutlich in der 11. Klasse.

Ich saß im Bus, als einige Jugendliche (ich vermute einmal so 6. oder 7. Klasse) ein Mädchen (in meinem Alter), welches auf die Förderschule ging, verbal niedermachten.

In mir fing es immer mehr an zu brodeln und ich dachte mir „sag mal, was bringt denen das denn?“. So machte ich meinem Ärger Luft und meinte zu den Kindern „sucht euch mal jemanden, der euch Kontra geben kann“ oder in die Richtung. Die Kids hörten auf und ich fühlte mich wesentlich besser.

Gut, vorher habe ich mich auch schon in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert, doch es war für mich mehr ein Hobby. Nach und nach reifte es in mir, doch wirklich in diesen Berufszweig zu gehen.

Mit 16 Jahren hatte ich tatsächlich die Idee das Abitur zu machen und danach katholische Religion zu studieren und dann als Gemeinde- oder Pastoralassistentin unterwegs zu sein.

Man muss sagen: Zum Glück hat das mit dem Abitur bei mir nicht geklappt, so musste ich mir nach der Wiederholung der 11. Klasse (ich fand sie so toll, dass ich nicht weiter machen wollte) einen Plan B aussuchen.

Der damalige Pastoralreferent unserer Gemeinde schlug mir vor, doch ein FSJ, also ein Freiwilliges soziales Jahr, zu machen. So meldete ich mich in Speyer und über Umwege landete ich bei der FSJ-Stelle in Mainz. Mein Soziales Jahr machte ich dann in einem Kinder- und Jugenddorf in Unterfranken.

Diese Zeit war für mich sehr lehrreich, denn ich komme aus einem wohlbehüteten Elternhaus und habe weder Gewalt noch Vernachlässigung bei mir oder meinen Freunden erlebt. Jedem anderen dem es so geht, kann froh sein!

Was Eltern manchmal ihren Kindern antun, war für mich erst einmal ein Schock. Natürlich habe ich es verkraftet, doch manche Familienverhältnisse bzw. Konstellationen habe ich bis heute noch nicht ganz verstanden.

In diesem Jahr habe ich beschlossen, dass ich Erzieherin werde. Denn: Erzieherin ist nicht nur im Kindergarten aktiv, nein! Sie kann auch in Kinderheimen oder mit beeinträchtigten Menschen arbeiten. (Das ist vermutlich auch der Grund weshalb ich immer extrem auf den Begriff Kindergärtnerin reagier. IHHH! Bääh!!)

So schrieb ich eine einzige Bewerbung an eine Erzieherschule (wir schreiben das Jahr 2003) und bekam natürlich die Zusage. Seit Sommer 2006 darf ich mich nun staatlich anerkannte Erzieherin (mit Zusatzqualifikation Heimerziehung) nennen.

Mein Anerkennungsjahr machte ich in einem kleinen Kindergarten, einen Ort weiter. Doch ich muss zugeben, ich habe schnell gemerkt, dass mir die frühkindliche Erziehung nicht liegt, sie mich sehr anstrengt. Extrem spürbar war es für mich meinen Sprachschatz herunter zu brechen und extrem war für mich auch die tägliche Geräuschbelastung.

Deshalb ist es nur allzu gerechtfertigt, dass Erzieherinnen und Erzieher auf die Straße gehen und mehr Gehalt fordern. Denn: Sie sind oft diejenigen, die die Kinder erziehen, sie fördern. Und es ist im Grunde gleichzusetzen wie der Beruf eines Managers. Viele Dinge unter einen Hut zu bringen (Ich fange nicht an die Managergehälter und die von Erziehern zu vergleichen, soll ja keiner anfangen zu weinen!).

Trotzdem bewarb ich mich bei ca. 50 Kindergärten im Umkreis, doch die Hälfte schrieb mir absagen, die andere Hälfte hat sich nie bei mir gemeldet.

Naja, ein Kindergarten rief ca. zwei Jahre nach meiner Bewerbung bei meinen Eltern an (ich war mittlerweile ausgezogen) und bot mir nun die Stelle an. Tja, das war wohl nichts.

Nach der Pleite mit der Früherziehung traf ich mich mit einer Freundin, die gerade ihr Abi gemacht hatte, und sie erzählte, dass sie sich für Sozialpädagogik interessierte und sich an einigen Unis bzw. FHs beworben hatte.

Daraufhin recherchierte ich und konnte feststellen: Ja, auch ich habe die Möglichkeit. An einer Fachhochschule in Rheinland-Pfalz zu studieren.

Diesmal schrieb ich auch wieder nur eine Bewerbung, an die KFH in Mainz.

Ich kann mich noch so gut an diesen Moment erinnern, als ich die Zusage erfuhr. Meine Mutter rief auf der Arbeit an, ich stand gerade mit zwei kleinen Menschen in der Küche. Mutter sagte mir, die Zusage sei da, ich schrie auf und die Kids waren etwas irritiert ;-)

Auch meine Freundin, über die ich an die Idee gekommen bin, hat die Zusage erhalten. So fuhren wir für die Immatrikulation gemeinsam nach Mainz, jeder von uns hatte in der Zwischenzeit unabhängig voneinander eine Wohnung bzw. WG gesucht.

Die FH war wirklich ein Glückstreffer. Vom ersten Tag an konnte man nette Leute kennen lernen und innerhalb eines Monats hatte man schon seine Gruppe gefunden, die bis zum Ende des Studiums auch ungefähr so bestehen blieb. In das Leben an der Fachhochschule musste ich mich rund ein Jahr einarbeiten.
Gut für uns war auch, dass die erste Prüfung auch erst nach einem Jahr stattgefunden hat. Anderthalb Jahre nach Studienbeginn dann die Hammerprüfung mit dem Vordiplom.

Zwei Praxissemester – Die ich definitiv nicht missen möchte – und die mich beruflich und persönlich extrem weitergebracht haben! Hier nochmal ein riesen Dank an Gesine und Marcus!

Am 16. Juli 2010 hielt ich dann auch mein Diplom in der Hand.

Nach unterschiedlichen beruflichen Einblicken bin ich nun an einem Ort gelandet, an dem ich mich sehr wohl fühle. Kollegial auf alle Fälle.

Ich arbeite momentan noch in einem Projekt für (hauptsächlich) alleinerziehende Mütter, die schon länger nicht mehr in Arbeit sind. Hier habe ich auch vieles erlebt und denke, dass auch vieles in der Gesellschaft von der Lebenswirklichkeit noch nicht angekommen ist.

Bald ist dieses Projekt abgeschlossen, ich werde bei meinem jetzigen Arbeitgeber bleiben, doch meine Arbeitsbereiche werden sich ändern.

Das ist auch ein Punkt im Beruf als Sozialpädagoge. Man hat so viele Einsatzmöglichkeiten. Was von Vorteil sein kann, doch auch von Nachteil, denn man muss sich erst das Richtige für sich suchen.

So arbeiten manche meiner Studienkollegen im Jugendamt oder auch im Jobcenter (oder der Arbeitsagentur). Andere wiederum sind wie ich bei einem Bildungsträger gelandet, der sich um „Benachteiligte“ kümmert. Auch die Arbeit im Heimbereich ist möglich.

Sozialpädagogische Familienhilfe ist eine weitere berufliche Möglichkeit. Es gibt auch viele Sozialpädagogen die in großen Firmen als Betriebssozialarbeiter zuständig sind. Oder meine Mutter hat nach ihrer Knie-OP von einem Krankenhaussozialpädagogen die Formalitäten für die Reha gezeigt bekommen.

Und die Frage, „was macht denn so ein Sozialpädagoge?“ habe ich auch schon lange nicht mehr gehört, doch ich möchte sie gerne verraten.

Ein Sozialpädagoge ist dazu da, Menschen (oft in Notsituationen)
aufzufangen, sie zu unterstützen und nach einer gewissen Zeit an der Hand
auch wieder in die Unabhängigkeit zu entlassen.


Ich bin gerne Sozialpädagogin. Und habe im letzten Jahr von Betreuung, Verwaltung über das Theaterspielen vieles erlebt. Missen möchte ich es nicht!


(Die Bilder sind auf der Arbeit entstanden, unsere Theaterpädagogin bat mich, einzuspringen)

Sonntag, 6. April 2014

Gesundheit

Nach längerer nicht-Blog-Zeit (ja etwas schreibfaul bin ich in der letzten Zeit geworden) und einer Fortbildung sowie einem Treffen von Menschen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, mal wieder ein kleines Blog-Lebenszeichen.

Am Freitag habe ich eine liebe Freundin nach zwei Jahren mal wieder gesehen und ich bin immer wieder erstaunt, wie lange man sich nicht gesehen haben muss, und es trotzdem so ist, wie wenn es erst zwei Tage her ist, dass man sich das letzte Mal gesehen und gesprochen hat.
Ein wirklich gelungener Abend.

Ja, ich war endlich mal wieder in Mainz. Meine Stadt.
Hier habe ich fast vier Jahre studiert und immer wenn ich dort hin fahre, erfüllt es mich mit Erinnerungen und einem sehr wohligen Gefühl.
Vielleicht ist Mainz auch eine Stadt, die ich mit "Freiheit" verbinde, denn in dem kleinen Ort, aus dem ich komme, bleibt man eben immer die Kleine von nebenan, egal wie alt oder jung man mittlerweile ist und in Mainz wurde ich als (größtenteils) erwachsene Person wahrgenommen, habe extrem viele unterschiedliche liebenswerte Menschen kennengelernt.

Weshalb ich in Mainz war? Ein weiterer Fortbildungstermin stand an. Thema "Gesundheitskurse leiten".
Von meiner Ausbildung her bin ich ja Sozialpädagogin und habe eher weniger mit dem Gesundheitssektor zu tun gehabt, doch die unterschiedlichen Anforderungen in meinem jetzigen Job haben dazu geführt, dass ich nun auch in diesen Bereich hineinwachse.
Die Fortbildung war eine Fortbildung nach meinem Geschmack. Einiges an Theorie (ach, das hab ich dann doch schon mal im Studium gehört) und auch viele Methoden, die wir in unseren eigenen Kursen anwenden können.
Viele der Teilnehmenden (100% Frauen) kamen aus dem Bereich Yogakurse oder dergleichen, so dass deren Teilnehmer eine ganz andere Baustelle sind als mein Bereich, doch das war nicht schlimm, ganz im Gegenteil. Hier kann man immer wieder mal etwas von Anderen aufgreifen und es in einer eigenen Art in seinem Bereich verwenden.

Das beeinduckendste war von einer Frau, die dem asiatischen Kulturkreis entstammt zu hören "Meinen Teilnehmern sag ich immer, ihr dürft nicht so viel mit dem Kopf arbeiten. Wichtiger ist es, mit dem Gefühl zu handeln!"
Als ich dies einer Kollegin erzählte meinte sie "Das machst du doch schon längst", das hat mich etwas irritiert  doch ich vermute: Sie hat recht ;-)

Hauptsächlich ging es im Kurs über Salutogenese (wie kann ich Gesundheitsförderung bei den Teilnehmern machen) mit dem Hauptaugenmerk auf die Resilienz (Welche Kompetenzen brauch ich um im Leben klarzukommen trotz Niederlagen, Krankheit, Kümmernissen)

Ich denke, in jedem Bereich, egal ob es Yogakurse sind, oder ob man als Sozialpädagogin in einem Kinderheim oder sonstwo arbeitet, gehört dieser Teil zur Arbeit dazu und man sollte ihn nicht aus den Augen verlieren.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Fashion Hero - Rezension

Ja, gestern habe ich die Pro7 Sendung Fashion Hero geschaut (und nebenher ein wenig geschnibbelt und gereiht).

Zuerst muss ich sagen, dass ich es toll finde, wenn Designer in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht werden, denn sie haben einen großen Einfluss auf das alltägliche Leben (der Frau).

Die Umsetzung von Pro7, eine Show zu gestallten, in denen der beste Designer gekührt wird, wirkt für mich sehr krampfhaft.

In der ersten Sendung wurden zehn Designer(paare) vorgestellt, die zwei Tage Zeit hatten, einige Teile herzustellen, die ihrer Persönlichkeit entspricht.
Für mich war der Teil zu kurz, in denen es um die Herstellung der einzelnen Kleidungsstücke ging. So wurde mehr über den Desinger geredet (ich komme aus der Kinderpause zurück - er ist ein großes Talent mit seinen 20 Jahren - er ist kein Unbekannter in der Modebranche).

Wir müssen wohl davon ausgehen, dass Pro7 diese Sendung wohl einzig und allein deshalb produziert hat, um Werbung zu schalten. Denn die Einkäufer von Karstadt, s'Oliver und dem Online-Label (wie war der Name noch einmal) sitzen an ihrem drehbaren Pult, an dem sie anzeigen können, ob sie die Kollektion kaufen oder nicht. - Sie selbst scheinen auch die Regeln nicht zu kennen.

Wenn die Einkäufer die Mode kaufen, darf der Modeschöpfer ins Haus der Designer einziehen, wenn nicht, kommt er in den "Fashion Showdown". Nur der Gewinner dieser Verlierer hat das Glück, den letzten freien Platz im Haus zu gewinnen.
30 Minuten hatten die Designer Zeit, aus einem einfachen Sakko etwas anderes zu zaubern.
Das ist ja eine spannende Sache, leider hatte ich hier von dem "Chaos" nicht viel mitbekommen. Man hat nur gelaber und gebabbel gehabt. (Sorry für meine Pfälzische Ausdrucksweise).

Alles in allem war mir die Sendung zu sehr aufgesetzt (war ja eigentlich bei Pro7 nicht unbedingt anders zu erwarten, ich hoffe ja immer auf Unerwartetes). Dass die Sendung demnächst abgesetzt wird, ist wohl zu erwarten.
Leider bekommt es wohl das deutsche Fernsehen nicht hin, so schöne Formate wie das britishe "The Great British Sewing Bee" zu okkupieren oder ähnliches zustande zu bringen.

Wollen wir Deutsche die Entstehung von Mode vielleicht gar nicht wirklich im Fernsehen haben?
Hat Deutschland gute Mode nicht verdient? (Okay, das ist wohl etwas arg hoch gegriffen ;-) )

Gut finde ich übrigens die Homepage! Hier sind mehr Infos zu den Themen, die mich auch interessieren, zum Beispiel, wie man Kleidung für sich verändern kann (auch wenn nähen nicht seine Stärke ist).

Hier ist übrigens eine der vielen Rezensionen, die kein gutes Haar am Format "Fashion Hero" lassen.